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Konstruktionsrichtlinien für Metall-3D-Druck

Konstruktionsrichtlinien für den Metall-3D-Druck entscheiden, ob ein Bauteil prozesssicher und wirtschaftlich gefertigt werden kann. Erfahren Sie hier unter anderem mehr über:

  • Wandstärken, Bohrungen und Kanäle
  • Überhänge,
  • Toleranzen,
  • Gewinde,
  • die richtige Baurichtung 
  • u.v.m.

Konstruktionswerte im Überblick

Für alle Metallwerkstoffe gilt dieselbe Mindestwandstärke von 1,0 mm, derselbe Mindestdurchmesser von 2,0 mm für Bohrungen und Kanäle und dieselbe Allgemeintoleranz von ±0,3 mm bis 100 mm Bauteilgröße beziehungsweise ±0,3 Prozent darüber. Was im Einzelfall darüber hinaus möglich ist, hängt von Geometrie, Bauteilgröße, Bauteilorientierung und Nachbearbeitung ab.

KonstruktionsmerkmalRichtwertHinweis
Mindestwandstärke1,0 mm0,5–1,0 mm auf Kundenrisiko, unter 0,5 mm nicht zuverlässig darstellbar
Freistehende Stifteab 2,0 mm ØFreistehende Stege und Lamellen benötigen mehr Materialstärke
Bohrungen und Kanäleab 2,0 mm ØKleinere Durchmesser durch mechanische Nacharbeit
Öffnung zur Pulverentfernungab 3,0 mmBei verzweigten oder langen Kanälen entsprechend größer
Mindestabstand Wände und Stege1,0 mmGeringere Abstände verschmelzen oder brechen
Überhänge ohne Stützstrukturab 45 Grad zur BauplatteFlachere Flächen benötigen Stützstrukturen
Gravuren und Schriftzüge1 mm Strichbreite, 1 mm Tiefe, 5 mm SchrifthöheGilt für Standardschriftarten
Allgemeintoleranz as-builtbis 100 mm ±0,3 mm, darüber ±0,3 %Engere Toleranzen durch CNC-Nachbearbeitung, technische Zeichnung erforderlich
Materialzugabe für Nacharbeitca. 1,0 mmAn Passungen, Gewindebereichen, Lager- und Dichtsitzen
Gewindenicht gedrucktKernloch und Freistich nach DIN 13-1 und DIN 76-1 konstruieren

Die Werte sind Konstruktionsrichtwerte für prozesssichere Bauteile. Für verbindliche Angaben zu Ihrem Bauteil sprechen Sie das Metalldruck-Team von Rapidobject an.

Wichtige Konstruktionswerte im Detail

Die folgenden Richtwerte gelten einheitlich für alle Metallwerkstoffe, die Rapidobject im SLM-Verfahren verarbeitet. Sie sind Konstruktionswerte für prozesssichere Bauteile, keine Maschinen-Grenzwerte.

1,0 mm

Mindestwandstärke

0,5–1,0 mm auf Kundenrisiko, darunter nicht zuverlässig darstellbar. Freistehende Stege und Lamellen und Stifte benötigen mehr Materialstärke. 

2,0 mm

Bohrungen und Kanäle

Kleinere Durchmesser durch mechanische Nacharbeit. Kleinere Durchmesser entstehen durch anschließende mechanische Nacharbeit. 

3,0 mm

Öffnung zur Pulverentfernung

Für die zuverlässige Entfernung des unverschmolzenen Pulvers sollten Öffnungen mindestens 3,0 mm groß sein, bei langen oder verzweigten Kanälen entsprechend mehr. 

1,0 mm

Materialzugabe

Flächen, die nach dem Druck spanend bearbeitet werden, brauchen bereits im CAD-Modell ein Aufmaß von etwa 1,0 mm. Das betrifft insbesondere Passbohrungen, Gewindebereiche, Lager- und Dichtsitze.

45°

Grenze für Überhänge

Flachere Flächen benötigen Stützstrukturen. Diese stabilisieren das Bauteil während des Bauprozesses und leiten Prozesswärme ab. Stützstrukturen müssen nach der Fertigung entfernt werden

±0,3 mm

Allgemeintoleranz

Bis 100 mm Bauteilgröße, darüber ±0,3 Prozent. Engere Toleranzen, definierte Passungen sowie Dicht- und Lagersitze entstehen durch gezielte mechanische Nacharbeit, zum Beispiel CNC-Fräsen, Reiben oder Drehen. 

Detailliertere Informationen zu allen Richtlinien finden Sie hier zum Download:
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Weitere Konstruktionsregeln für den Metall-3D-Druck

Gleichmäßige Wandstärken und Querschnittsübergänge

Wandstärken sollten möglichst gleichmäßig über das Bauteil verlaufen. Stufenartige Volumensprünge erzeugen beim schichtweisen Aufschmelzen lokale Eigenspannungen und führen zu Verzug, Streifenbildung oder Oberflächendefekten. Übergänge mit großzügigen Radien statt scharfer Kanten reduzieren zusätzlich die Kerbwirkung und erhöhen die Dauerfestigkeit des Bauteils.

Hohlräume und Pulverentfernung

Geschlossene, nicht reinigbare Hohlräume sind bei Metallbauteilen aus dem SLM-Verfahren nicht zulässig. Sie enthalten nach dem Druck unverschmolzenes Metallpulver, das sich nicht sicher entfernen lässt, und bergen bei Temperaturänderungen ein Explosions- oder Implosionsrisiko. Lässt sich ein Hohlraum konstruktiv nicht vermeiden, müssen zugängliche Öffnungen und möglichst große Entleerungsschächte vorgesehen werden.

Gewinde

Gewinde werden im SLM-Verfahren nicht mitgedruckt, sondern nachträglich geschnitten, gefräst oder gedreht. Im Bauteil müssen dafür das passende Kernloch und die notwendigen Freistiche nach Norm konstruiert sein, zum Beispiel nach DIN 13-1 für den Kerndurchmesser metrischer ISO-Gewinde und DIN 76-1 für den Freistich. Zusätzlich braucht das Bauteil eine sichere Einspannmöglichkeit und ausreichend Freiraum für die Werkzeugbewegung. Das Einbringen der Gewinde wird separat beauftragt.

Baurichtung und Anisotropie

Die Baurichtung wird beim SLM-Verfahren vor allem zur Sicherstellung der Druckbarkeit und Detailtreue gewählt. Da die Schichten vollständig miteinander verschmelzen, treten keine schichtbedingten Festigkeitsschwächen wie bei Kunststoffverfahren auf. Die Orientierung beeinflusst jedoch Oberflächenrauheit, Stützstrukturbedarf, Detaildarstellung und Nachbearbeitungsaufwand. Bei komplexen oder filigranen Bauteilen hilft ein Probedruck, die optimale Ausrichtung zu bestimmen.

Strukturoptimierung, Rippen und Topologieoptimierung

Dünne Wandbereiche und große Flächen lassen sich durch Rippen oder diagonale Streben verstärken, ohne zusätzliches Volumen im ganzen Bauteil. Innenliegende Gitterstrukturen erhöhen die Steifigkeit, dürfen aber keine unzugänglichen Hohlräume erzeugen. Für maximale Materialeffizienz eignet sich die Topologieoptimierung, ein FEM-basierter Prozess, der Material entsprechend Lastfall und Zielsetzung verteilt und Gewicht sowie Kosten gegenüber dem Ausgangsdesign deutlich senken kann.

Datenqualität und STL-Export

Für die Fertigung werden 3D-Daten als STEP, STL oder 3MF benötigt, bei Toleranz- und Funktionsangaben zusätzlich eine technische Zeichnung als PDF. Beim STL-Export sind das Ausgabeformat Binary, eine Abweichungstoleranz (Chordale) von 0,05 mm und eine Winkelabweichung von 2 Grad geeignete Einstellungen. Für die meisten Bauteile genügt eine Dateigröße unter 5 MB, bei sehr komplexen Geometrien, Gittern oder 3D-Scans unter 50 MB. Als Faustregel gilt: Sind bei 1:1-Ansicht am Bildschirm Facetten sichtbar, sind sie später auch am gedruckten Bauteil erkennbar.

Schriftzüge, Gravuren und feine Details

Schriftzüge, Logos und feine Details lassen sich im SLM-Verfahren direkt im Bauteil realisieren. Für eine klare Darstellung gilt eine Mindeststrichbreite von 1 mm, eine Mindesttiefe beziehungsweise Mindesthöhe von 1 mm und bei Standardschriftarten eine Buchstabenhöhe von mindestens 5 mm.

Wärmebehandlung und Verzug mitdenken

Der schichtweise Aufbau erzeugt Eigenspannungen im Bauteil. Lange, dünne oder großflächige Geometrien neigen deshalb zu Verzug. Eine Wärmebehandlung baut diese Spannungen ab und wird sinnvollerweise nach dem Entpulvern und vor dem Abtrennen von Bauplatte und Stützstrukturen durchgeführt. 

Der komplette Konstruktionsleitfaden für den SLM-Metalldruck

Alle Regeln dieser Seite ausführlich erklärt, mit Bemaßungsskizzen, Konstruktionsbeispielen und den empfohlenen Exportparametern für STL-Daten. Kostenlos als PDF.

Unterlagen zu Toleranzen, Daten und Bauräumen

Fertigungstoleranzen

Welche Toleranzen je Verfahren gelten.

STL-Datenerstellung

Exportparameter für optimale Bauteilqualität.

Bauraumgrößen

Maximale Bauteilgrößen je Verfahren.

unsere metalle

Werkstoffe für den Metall-3D-Druck

Produktabbildungen KI-generiert. 

Leichtbau mit guter Wärmeleitung

Aluminium AlSi10Mg

Wirtschaftlicher Werkstoff für Prototypen, Kleinserien und auch für Bauteile mit moderater Belastung.

Höchste Festigkeit, leicht

Titan Ti6Al4V

Leichter Hochleistungswerkstoff für feste, korrosionsbeständige und zudem für thermisch belastbare Bauteile.

Robust und korrosionsbeständig

Edelstahl 1.4404

Korrosionsbeständiger Werkstoff für robuste Funktionsbauteile mit guter mechanischer Nachbearbeitbarkeit.

Härtbar für Werkzeug-/Formenbau

Werkzeugstahl 1.2709

Hochfester Werkstoff für verschleißfeste Bauteile, 

Für hohe Betriebstemperaturen

Inconel 718

Nickelbasislegierung für Hochtemperaturanwendungen. 

Verschleißfest und polierbar

Bronze CuSn10

Gute Gleiteigenschaften für Lager-, Armaturen- und Designbauteile.

Wärme und Strom leiten

Kupfer

Für Wärmeübertragung, Induktoren und komplexe Kühlstrukturen.

ihr ansprechpartner

Noch in der Konstruktionsphase?

Senden Sie Ihr 3D-Modell und die wichtigsten Anforderungen an das Bauteil. Rapidobject prüft Bauteilorientierung, kritische Geometrien, notwendige Nachbearbeitung und mögliche Kostenoptimierungen vor der Fertigung.

Markus Prokscha

Experte für SLM
Metall-3D-Druck bei Rapidobject

+49 341 231 837 32
metall@rapidobject.com

FAQ

Häufige Fragen zu Konstruktionsrichtlinien im Metall-3D-Druck

Antworten zu Wandstärken, Toleranzen, Gewinden, Überhängen und Datenformaten – kompakt und aus der Fertigungspraxis.

Welche Mindestwandstärke ist beim SLM-Metalldruck möglich?

Rapidobject setzt für den SLM-Metalldruck werkstoffübergreifend eine Mindestwandstärke von 1,0 mm an. Wandstärken zwischen 0,5 mm und 1,0 mm sind auf Kundenrisiko möglich, Geometrien unter 0,5 mm lassen sich nicht zuverlässig darstellen. Der Wert gilt gleichermaßen für Aluminium AlSi10Mg, Titan Ti6Al4V, Edelstahl 1.4404, Werkzeugstahl 1.2709, Inconel 718, Bronze CuSn10 und Kupfer.

Ja. Die Konstruktionsrichtlinien für den SLM-Metalldruck gelten bei Rapidobject einheitlich für alle Metallwerkstoffe. Werkstoffabhängig unterscheidet sich die Prozesskette nach dem Druck: Bei Titan Ti6Al4V ist eine Wärmebehandlung fester Bestandteil der Fertigung, bei den übrigen Werkstoffen richtet sie sich nach Bauteil und Anwendung.

Bohrungen und Kanäle sind im SLM-Verfahren ab 2,0 mm Durchmesser prozesssicher darstellbar. Kleinere Durchmesser müssen eventuell nachbearbeitet werden. Öffnungen zur Pulverentfernung sollten mindestens 3,0 mm groß sein, bei verzweigten Kanälen entsprechend größer.

Flächen, die flacher als etwa 45 Grad zur Bauplatte liegen, benötigen im SLM-Metalldruck Stützstrukturen. Diese leiten Prozesswärme ab und stabilisieren das Bauteil, müssen aber nach dem Druck entfernt und die Ansätze verschliffen werden.

Die Allgemeintoleranz im SLM-Verfahren beträgt bei Rapidobject bis 100 mm Nennmaß ±0,3 mm und darüber ±0,3 Prozent. Engere Maße erreicht Rapidobject durch gezielte CNC-Nachbearbeitung der betreffenden Funktionsflächen. Dafür ist eine technische Zeichnung mit den geforderten Maßen erforderlich.

DIN ISO 2768 beschreibt Allgemeintoleranzen für spanend bearbeitete und umgeformte Werkstücke und gibt die Prozessfähigkeit additiver Verfahren nicht automatisch wieder.

Bis 100 mm Nennmaß betragen die Fertigungstoleranzen von Rapidobject ±0,3 mm und ab 100 mm Nennmaß ±0,3 Prozent. DIN ISO 2768 mK wird also nicht gänzlich eingehalten. Sollte es erforderlich sein, kann dies über eine mechanische Nacharbeit erzielt werden. Hierfür benötigen wir eine technische Zeichnung. 

Nein. Gewinde werden im SLM-Verfahren nicht mitgedruckt, sondern nachträglich geschnitten, gefräst oder gedreht. Im Bauteil müssen das passende Kernloch und die Freistiche nach Norm konstruiert sein, zum Beispiel nach DIN 13-1 und DIN 76-1. Das Einbringen der Gewinde wird separat beauftragt.

Beim SLM-Verfahren verschmelzen die Schichten vollständig, schichtbedingte Festigkeitsschwächen treten daher eher nicht auf. Die Baurichtung beeinflusst jedoch Oberflächenrauheit, Stützstrukturbedarf, Detailtreue und den Nachbearbeitungsaufwand.

Verzug entsteht durch Eigenspannungen beim schichtweisen Aufschmelzen. Gleichmäßige Wandstärken, großzügige Radien statt scharfer Kanten, vermiedene Volumensprünge und eine geeignete Bauteilorientierung reduzieren ihn konstruktiv. Ergänzend baut eine Wärmebehandlung vor dem Abtrennen von Bauplatte und Stützstrukturen die Spannungen ab.

Geschlossene Hohlräume enthalten nach dem Druck unverschmolzenes Metallpulver, das sich nicht sicher entfernen lässt. Metallpulver ist gesundheitsschädlich, bei reaktiven Werkstoffen wie Aluminium und Titan zusätzlich leicht entzündlich. Außerdem besteht bei Temperaturänderungen ein Explosions- oder Implosionsrisiko. Nicht vermeidbare Hohlräume brauchen zugängliche Öffnungen und Entleerungsschächte.

An Flächen, die nach dem Druck spanend bearbeitet werden, sollte im CAD-Modell ein Aufmaß von etwa 1,0 mm vorgesehen sein. Das gilt insbesondere für Passbohrungen, Gewindebereiche, Lager- und Dichtsitze sowie Planflächen und sollte in der technischen Zeichnung gekennzeichnet werden.

Rapidobject verarbeitet 3D-Modelle als STEP, STL oder 3MF. Bei Passungen, Gewinden, Dichtflächen sowie geometrischen und maßlichen Toleranzen ist zusätzlich eine technische Zeichnung als PDF erforderlich. Für den STL-Export sind „Binary“, eine Chordale von 0,05 mm und eine Winkelabweichung von 2 Grad geeignete Einstellungen.

Metall-3D-Druck ist wirtschaftlich, wenn kein Werkzeug und keine Mindestmenge erforderlich sein sollen, wenn Geometrien innenliegende Kanäle, Gitterstrukturen oder topologieoptimierte Formen enthalten, wenn Prototypen und Kleinserien schnell verfügbar sein müssen oder wenn Ersatzteile ohne vorhandene Zeichnung nachgefertigt werden. Bei einfachen Geometrien in großen Stückzahlen bleiben Guss und Zerspanung im Vorteil.